Helmut Welger

 

Setzung, Konkretisierung und Gewichtung plansprachlicher Gütekrite­rien bei Zamenhof

 

Instrumentelle Qualität/Güte = Zweckmäßigkeit

 

Schon der Ausdruck „Plansprache“ weist unverkennbar auf die an­ge­strebte struk­turelle Zweckgerechtigkeit der Sprache hin. Wozu plant man denn wohl, wenn nicht zu ei­nem bestimmten Zweck? Eine „zweckfreie Planung“ wäre eine contradictio in adjecto. Die Plansprache ist auch und vor allem eine Zwecksprache. Eine Art sprachli­cher Zweckbau, ein Werkzeug. Der Ausdruck „Plansprache“ geht indirekt schon auf Zamenhof selbst zurück; in seinem Essay „Esenco kaj estonteco de la Ideo de Lingvo Internacia“ charakterisiert er z.B. den Unterschied „natürlicher“ und „künstlicher“ Sprachen dadurch, dass beim Bau der ersteren „nenia difinita plano, simple nur la uzo“ wirksam sei (Zamenhof 1929). Es ist kein Geheimnis, welches philanthropische Ziel der Sprachplaner verfolgte, der sich „D-ro Esperanto“ nannte: die Schaffung einer in­ternacia lingvo, d.h. einer leicht begehbaren sprachlichen Brücke zwischen Verschiedensprachigen.

 

Ziel und Zweck bestimmen, welche Eigenschaften in welcher Gewichtung ein zweckgerechter Gegenstand haben muss. Der Zweck kann daher als oberstes Gü­tekriterium, als eine Quasi-Norm betrachtet werden, aus der das Soll-Eigen­schaftsprofil abgelei­tet wird. „Qualität“ ist insoweit nichts anderes als die instrumen­telle Güte. Die Gütekriterien sind also zweckrelativ; sie sind Erfordernisse der Zweckerreichung.  Solange der Zweck nicht klar ist, sind fundierte Aussagen über die Qualität (im Sinne der Brauchbarkeit) nicht möglich.  Es handelt sich dann al­lenfalls um den Ausdruck un­reflek­tierter Vorannahmen und Denkgewohnheiten, um beliebigen subjektiven Ge­schmack. Die Kehrseite der Qualität ist der Mangel, d.h. das Fehlen oder die unzu­reichende Erfüllung von Erfordernissen. Auch Män­gel sind also zweckrelativ.

 

Ein unverfängliches Beispiel für die Zweckrelativität der Gütekriterien: Was ist eine „gute“ Schere? Um das be­antworten zu können, muss man zunächst einmal wissen, was man damit schneiden will. Trotz einiger Gemeinsamkeiten verschiedener Ty­pen von Scheren - eine Drahtschere muss andere Eigenschaften aufweisen als eine Papierschere oder eine Hautschere. Eine gute Drahtschere kann eine schlechte Hautschere sein, und umge­kehrt.

 

Von der Zweckbestimmung der Sache wohl zu unterscheiden sind die subjektiven Zwecke, die Motive des Benutzers, die sich von dem in der Sache und ihrem Bau­plan objektivierten Zweck durchaus unterscheiden kön­nen. Wer die Sache nicht bestimmungs- und widmungsgemäß, son­dern zweckentfremdet benutzt, mag mit der Sache persönlich unzufrie­den sein; aber er kann gegenüber dem Hersteller keine Qualitätsmängel reklamieren.

 

Ziele bzw. Zwecke sind keine physikalischen oder chemischen Objekte oder Ei­genschaften, sondern Gegenstände im Raum des menschlichen Handelns, der sozia­len Interaktion und Kooperation - d.h. im Aktionsfeld. In diesem Feld können sich - so könnte man metaphorisch sagen - gewöhnliche physikalische Fakten mit Funktionalität gleichsam aufladen. Durch diese Aufladung können sie z.B. zu Mitteln, zu mehr oder weniger zweckmäßigen In­stru­menten werden. Zwecke wer­den erschaffen durch Set­zung, d.h. durch - still­schweigende oder aus­drückliche - menschliche Entscheidungsakte. Chemi­sche und physi­kali­sche - und wohl auch linguistische - Analyse-Instrumente spre­chen auf Zwecke nicht an, sie sind blind da­für.

 

Das alles gilt auch für Plansprachen. Plansprachen zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Hinblick auf ganz be­stimmte Planziele (Zwecke) hin kon­struiert werden. Die Zwecksetzung ist nicht Sache der Linguistik, son­dern Sache der Sprachbenut­zer bzw. -planer. Die Sprachgüte ist nichts an­deres als der Grad der Brauchbarkeit für die vom Sprachplaner gesetz­ten Zwecke.

Zum ganzen Gebiet der Zweckrationalität und zur formalen Teleologie vgl. Weinberger und Weinber­ger (1979).

 

 

Die Konkretisierung von Unterzwecken und -zielen

 

Um einen gesetzten Grundzweck in einen konkreten Plan umsetzen zu können, muss man ihn über Unterzwecke und Unterziele bis hin zu den konkreten Einzelhei­ten der Realisierung umsetzen. Bei die­ser Umsetzung handelt es sich in der Regel nicht um einfache logische Ableitungen (Deduktionen), son­dern um Konkretisie­rungen. Eine Konkretisierung be­steht aus der Kombina­tion einer logi­schen Ablei­tung mit un­tergeordneten Setzungen.

 

Die logische Ableitung als erstes Teilelement der Konkretisierung hat die Gestalt eines „normativen Syllogismus“ (s. auch Schaubild). In ihn gehen je eine faktische und eine normative Prämisse ein:

1) der gesetzte Grundzweck als Quasi-Norm,

2) faktische Gegebenheiten des Handlungsfeldes.

Die Konklusion ergibt in der Regel nur einen mehr oder weni­ger weiten (Such-/Handlungs‑/Konstrukti­ons‑)Rahmen, einen Ermessens- und Gestaltungsspielraum, der zur prakti­schen Umsetzung noch mit den not­wendi­gen Details aus­gefüllt wer­den muss. Der normativen Prämisse wird oft nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet, weil sie „selbstverständlich“ zu sein scheint, d.h. unreflektiertem Vorverständnis entspricht. Hier ist die Quelle vieler endloser Debatten, die sich nur scheinbar um Fakten, in Wahrheit aber um unerkannte Differenzen bezüglich der Normen (z.B. der Zielsetzungen) drehen.

 

Da die erforderlichen Details zur Ausfüllung von Ermessensspielräumen gerade nicht aus dem Grundzweck ab­leitbar sind, sind hier erneute Entscheidungsakte (nicht vollständig aus dem Grundzweck ableitbare Unterzwecksetzungen) erfor­der­lich. Diese Entscheidungsakte (Setzungen, Ermessensentscheidungen) bilden das zweite Teilelement der Konkretisierung.

 

Bis man auf der Ebene konkreter Einzelheiten (z.B. Wörtern und Regeln einer Plansprache) anlangt, muss der Prozess der Kon­kretisierung evtl. sogar mehrfach wiederholt werden, d.h. er verläuft mehr­stufig, wobei auf jeder Stufe erneute Dezi­sionen er­for­derlich wer­den. Obendrein kann es zwischen den Unterzwecken und ‑zielen zu Zielkonflikten kom­men, obwohl sie den selben Grundzweck konkreti­sie­ren. Auf der Ebene plansprachlicher Details können die Zielkonflikte sinnvolle Ausnahmeregeln erforderlich machen (Reichweiten-Einschränkung, praktische Konkordanz).

 

Das Vorhandensein der Ermessens- und Gestaltungsspielräume bringt es auch mit sich, dass es eine Vielzahl von unterschiedlichen, aber im Hinblick auf den Grund­zweck an­nähernd gleich­wer­tigen Realisierungsmöglichkeiten gibt. M.a.W., die Schaffung einer konkre­ten Plansprache ist auch bei gegebenem Grundzweck nicht in einem voll­ständig rationalen Verfahren möglich; vielmehr ist ein ge­wisses Maß an freier Willkürlichkeit und Beliebigkeit unvermeidbar. Es kann deshalb theore­tisch beliebig viele „gleich gute“ Plansprachen geben.

 

Häufig werden Konkretisierung und logische Ableitung miteinander verwechselt, und zwar weil die für die Konkretisierung allgemeiner Prinzipien erforderlichen Dezisionen je nach Vorverständnis unreflek­tiert schon in die Prinzipien selbst hin­ein­projiziert werden. Darauf be­ruht der Aberglaube, die Logik erlaube, jedes Detail der Plansprache eindeu­tig festzulegen.

 

Schaubild: Normativer Syllogismus

 

 

Das Schaubild stellt einen normativen Syllogismus dar; mit „F“ sind Fakten, mit „N!“ Norm­sätze gekennzeichnet. Die Wolke, in der die normative Prämisse sich befindet, deutet an, dass normative Prämissen häufig unbemerkt bzw. unreflektiert und verdeckt bleiben.

 

Anmerkungen:

1. Aus bloßen Fakten folgt keine Regel (Humesches Gesetz).

2. Wenn die Konklusion ein Normsatz sein soll, muss mindestens eine der Prämissen selbst ein Normsatz sein.

3. Die normative Prämisse wird oft übersehen. Beispiel: „Rauchen ist ungesund - also soll man nicht rauchen.“ Das ist ein unvollständiger Schluss. Es fehlt hier ein Normsatz, der z.B. lauten könnte: „Man soll nichts Ungesun­des tun.“

4. Eine Konklusion ist oft nur eine Rahmennorm, die der Ausfüllung bedarf, d.h. sie verlangt eine freie Ermes­sensausübung.

5. Sprachplanung steht mit der normativen Seite außerhalb, mit der deskriptiven Seite inner­halb der Linguistik.

6. Viele Streitfragen sind unlösbar, solange die normativen Prämissen verdeckt sind (unreflektiertes Vorver­ständnis), was häufig der Fall ist.

 

Die "Analiza Skolo" ist in vieler Hinsicht ein Beispiel für die mangelnde Unterscheidung zwischen Konkretisierung, die der Ausfüllung und Ergänzung durch freies Ermessen nicht entbehren kann, und logischer Deduktion, in der die Prämissen den Inhalt der Konklusion zwingend vorgeben. Schulz (1985), der spiritus rector der „Analiza Skolo“, meint, dass die „Kvinlingva Gramatiko vere per­mesas per apliko de la lo­giko determini la tu­tan lingvon ghis la plej lastaj detaloj“. Schulz ist kein Logiker, sondern ein kultivierter Romanist, und von diesem Vorverständnis sind seine Vorstellungen über die Gramma­tik des Esperanto geprägt. Das Wort „Logik“ ist bei ihm oft nur eine Chiffre dieses Vorverständnisses. Vor allem aber betrachtet Schulz Ausnahme-Regeln per se als zu eliminierende „logische Widersprü­che“ im Regelsystem - was normwissenschaftlich irrig ist. In Maßen sind Ausnahmeregeln im Bereich sozialer Regeln oft zweckmäßiger als völlige Ausnahmefreiheit; hingegen ist es wegen der Zielkon­flikte (s.o.) nicht zweckmäßig, die „Widerspruchsfreiheits“-Anforderungen, die  für ein mathematisches Axiomensystem gelten, auf Sprachen - und seien es Plansprachen - zu übertragen.- Manchmal steht das Wort „Logik“ bei Schulz auch für nur vordergründig plausible, jedoch wenig reflektierte Zweckmäßigkeits­erwägungen. Nä­heres zu alledem habe ich andernorts ausgeführt (Welger 1994).

 

Demgegenüber stellt Frank (1985) - trotz seiner Sympathien für den Axiomatismus der „Analiza Skolo“ - fest: „Es ist unmög­lich, die ILo-Grammatik aus den 16 Regeln ‚mit Hilfe der Logik aus ihren eigenen Voraussetzungen zu vervollständigen‘, wenn nicht hier unter ‚Voraussetzungen‘ (‚premisoj‘) außer den 16 Regeln, als der ‚Urintuition‘ für ein Axiomensystem der zamenhofschen Interlinguistik, auch die Theoreme aller jener der Logik nachgeordneten Wissenschaften verstanden werden, von denen spezifische Be­griffe in den 16 Regeln auftauchen. Das sind zumindest Theoreme der Lingui­stik. Ka­tegorien der za­menhofschen Interlinguistik, die prinzipiell durch dessen Axiomensystem im­plizit zu definieren sind, sind ‚la‘, ‚(Bedeutung der:) Endung o‘, ‚Endung j‘ usf. - und natürlich ‚ILo‘ (im Original­text: ‚internationale Sprache‘, ‚international language‘ usf.“ Hier wäre allerdings zu ergänzen, dass der Be­griff „internacia lingvo“ sich nicht im Linguistischen erschöpft, sondern auf Zamenhofs phil­anthropi­sche Zwecksetzung verweist, auf die philanthropische Funktion („interna ideo“) des Esperanto, die sich in seiner Struktur widerspiegelt.

 

Für die Sprachplanung bedeutet dies alles u.a., dass es eine „ideale Sprache“ nicht geben kann. Der Begriff der „idealen Sprache“ ist in zwei­facher Hinsicht naiv. Was „ideal“, d.h. von unüberbiet­barer Qualität ist, hängt zum einen von den Zwecken und Zielen (um nicht zu sagen: von den Idealen) des Sprachplaners ab; zum ande­ren werden die bei der Konkretisierung auftre­tenden Zielkonflikte wahrscheinlich verhin­dern, dass er das jewei­lige selbstgesetzte Ideal er­reicht; insbeson­dere dann, wenn er die Sprache im Rahmen eines an­spruchs­vollen Grundzweckes als ein „Vielzweckinstru­ment“ plant. Das Äußerste, was er­reichbar ist, ist eine Sprache, die dem durchschnittlichen Bedarfsprofil eines be­stimmten vom Sprachplaner ange­zielten Benutzerkreises (einer Zielgruppe im marktstrategi­schen Sinne) mög­lichst genau ent­spricht.

 

Ferner kann gesagt werden: Weil die normativen Prämissen aus logischen Grün­den nicht der Welt der sprachlichen Fakten entstammen können, sondern der Welt der Zwecke von Sprachbenutzern bzw. -planern, steht die Sprachplanung mit ih­rer normativen Seite außerhalb, und nur mit ihrer deskriptiven Seite innerhalb der Linguistik. Sie ist ein Zwitterwesen von Linguistik und - im Falle des Esperanto - philanthropischer Politik.

 

 


Zamenhofs Plan einer Welt-Zweitsprache

 

Ich möchte nun das gewichtete Anforderungsprofil an eine Plansprache mit der Zamenhofschen Zwecksetzung „menschheitsverbrüdernde Zweitsprache für alle“ im Detail telelogisch ablei­ten, wobei ich mich an die über Zamenhofs Werk ver­streuten Hinweise zur Konkretisierung halte. Es muss betont werden, dass die Ge­wichtung im Grundsatz also nicht em­pirisch ermittelt ist, sondern Ergebnis der bewussten, absichtlichen, poli­tischen Ziel- und Prioritätensetzung durch den Philanthropen Zamenhof! Wir wol­len sehen, was da­bei her­aus­kommt.

 

Ein eigener umfangreicher Kriterienkatalog wurde mustergültig klar und detailliert von Frank (1979) ent­wickelt. Ausgangs­punkt der Konkretisierung, d.h. Basiskriterium, ist bei Frank die politi­sche An­nehmbarkeit als europäische (Zweit-)Sprache. Dies ist allerdings ein anderer, et­was engerer Ansatzpunkt als derjenige Zamenhofs, der die Kriterien letztlich aus dem Begriff, der „Idee“ der glo­balen internatio­na­len Sprache heraus entwickelte. Schon deshalb ergibt sich - trotz man­cher Über­ein­stimmungen - eine etwas abweichende Kriterienliste und ‑gewichtung.

 

Ein weiterer Grund für Abweichungen von Zamenhofs Kriterienliste ist, dass Frank es für wünschens­wert hält, die Grammatik als voll­ständiges, aus­nahmefreies Axiomensystem zu gestalten (Frank 1985). Im Gegensatz zu Schulz ist ihm aber bewusst, dass diese Forderung nicht „logisch zwingend“, sondern nur möglich ist. Dass Frank sie erhebt, dürfte auf seinem Vor­ver­ständnis als Kyberneti­ker beruhen. Wie bereits gesagt, ist eine solche Ausgestaltung des Regelsystems der Plansprache jedoch unzweck­mäßig. Sie ist auch keine logisch zwingende Ableitung aus Franks Basiskriterium, der politischen An­nehmbarkeit. Zamenhof sagte bündig: „Lingvo ne estas ma­tematiko.“

 

 

Das Einzigkeitsprinzip

 

Damit alle miteinander kommunizieren können, soll es für alle eine einzige Zweitsprache ge­ben. Daraus folgt, dass die Sprache selbst vor allem ein­heitlich sein muss, denn sonst ist die­ses „Einzigkeitsprinzip“ schon tangiert. Das bedeutet zum einen, dass

(1) nicht gleichzeitig mehrere Varianten im Gebrauch sein dürfen, sondern nur eine (aktuala un­ueco),

zum anderen, dass

(2) die Normen auch über die Zeit hinweg gültig sein müssen (stabileco).

Prinzip (2) ist gegenüber (1) nachrangig, weil eine gewisse Entwicklung der Spra­che stattfin­den muss, jedoch möglichst nur so, dass der ursprüngliche Normenbe­stand ergänzt, nicht geän­dert wird: Die künftigen Nutzer der Sprache sollen uns ver­stehen können; auf die früheren brauchen wir natürlich keine Rücksicht zu neh­men. Das Einzigkeitsprinzip mit seinen Unterprinzipien ist ge­genüber allen ande­ren Prinzipien logisch vorran­gig, weil es den begriffsnotwendi­gen Kern der inter­na­tionalen Zweitsprache ausmacht. Anders ausge­drückt: wenn das Einzigkeitsprinzip verletzt ist, handelt es sich streng genommen nicht mehr um eine Sprache. Das Einzigkeitsprinzip fordert also einen strengen Sprach-Konservativismus und strikte Regeltreue. Das Fundamento mit seinen unantastba­ren Regeln ist der konkreti­sierte Ausdruck dieser funktionellen Notwendigkeit.

 

Das Wichtigste war für Zamenhof nicht diese oder jene Einzelheit der Sprache, sondern der Konsens der Plansprachenbewegung - wohlgemerkt, ich sage „Plansprachenbewegung“ und nicht „Esperantobewegung“! Deshalb betonte er ausdrück­lich, die Einheit sei praktisch „sehr viel wichti­ger als jede vermeintliche oder auch wirkliche Perfektion der Sprache“ S. z.B. LR 142 A (Zamenhof 1962).

 

Zamenhof wollte eine Sprache, die be­stimmte aus der „interna ideo“, d.h. dem (philanthropischen) Zweck, abzuleitende Mindestbedingungen erfüllt, keine „perfekte Sprache“, die irgendwelche Maxi­malbedingungen (über die man sich ohnehin nie völlig einigen kann) erfüllt. Wir werden darauf zurückkommen.

 

 

Das Prinzip der Kommunikationstauglichkeit für Wissenschaft, Handel und allgemeinen Verkehr

 

Es muss sich nicht nur um eine Sprache, sondern um eine Sprache handeln. Sie muss für die­jenigen Zwecke geeignet sein, die im Verkehr zwischen ver­schiedenen Völkern und Sprachen von besonderer Bedeutung sind. Nach Zamenhofs Vorstel­lung, die ich für durchaus realistisch halte, muss sie in erster Linie „eine in­ternatio­nale Sprache für die Wissenschaft, den Handel und den allgemeinen Verkehr“ sein, s. Unua Libro, S. 5 (Zamenhof 1887).

 

Die dafür erforderlichen Eigenschaften sind vor al­lem:

• Klarheit,

• Genauigkeit,

• Reichtum des Wortschatzes,

• Geschmeidigkeit (Flexibilität).

Zamenhof zählt all diese Punkte ausdrücklich auf, und zwar im Zusammenhang mit der Lernleichtig­keit: Er stellt sich nämlich die Aufgabe, die Sprache leicht erlernbar zu machen, „ohne sie … der Klar­heit, Genauigkeit und Geschmeidigkeit zu be­rau­ben“, sowie „ohne … die Sprache … ihres Reichtums zu berauben“. Vgl. Unua Libro, S. 10 (Zamenhof 1887).

Mit dieser Formulierung räumt er diesen Eigenschaften der Sprache zugleich einen gewissen Vorrang vor der Lernleichtigkeit ein, der mir durchaus sachgerecht zu sein scheint. Wie ihre Rangfolge untereinander sein sollte, ist problematisch. Ge­messen am Zweck liegen sie wohl ziemlich dicht beieinander, ihre Rangplätze könnten auch je nach Kontext wechseln. Der Verfasser neigt intuitiv der oben gege­benen Reihen­folge zu, ohne sie jedoch für unbedingt zwingend zu halten. Viel­leicht wäre es an­ge­bracht, all diese Eigenschaften auf den selben Rangplatz zu setzen.

 

Man könnte sich fragen, ob die Kommunikations­eigenschaften nicht auch Vorrang vor dem Einzigkeitsprinzip haben müssten. Mir scheint, dass man diese Frage je nach Entwicklungsstufe der Sprache bzw. einzelner ihrer Bereiche unterschied­lich beantworten muss:

• Solange und soweit die Sprache noch unfertig und nicht fixiert ist, kann das Ein­zigkeitsprin­zip noch keine Rolle spielen; insofern haben die Kommunikations­ei­genschaften der Sprache Vorrang. Dies gilt nicht nur für die Erstentwicklung der Sprache, son­dern auch für die erfor­derliche Weiterentwicklung des Wortschatzes.

• Soweit die Sprache bereits benutzungsfertig und von den Sprechern formell oder stillschwei­gend fi­xiert ist, tritt das Einzigkeitsprinzip auf den ersten Rangplatz; denn wenn es an­ders wäre, dann könnte von einer benutzungsfertigen Sprache noch nicht in vollem Sinne die Rede sein, sondern man be­fände sich insoweit noch im Planungsstadium oder fiele in dieses zurück.

 

Für das, was Zamenhof „Stil“ nennt (d.h. das ge­samte Regelwerk außer der Fun­damenta Gramatiko), dürfte gelten, dass das Einzigkeitsprinzip zurückge­stuft wer­den kann, wenn

            • die poetische Lizenz, vgl. z.B. LR 54 (Zamenhof 1962), oder

            • die rationale Lizenz, vgl. meine Studie „Mallonga enkonduko en la nor­man            esperantologion“, Punkt 5.1.3. (Welger 1994)

dies erlaubt. Im Hinblick auf die Regeln der Fundamenta Gramatiko gelten diese Lizenzen aber nicht.

 

Nach der Zamenhofschen Gewichtung, die mir, wie gesagt, im Hinblick auf die mutmaßlichen Schwerpunkte der internationalen Kommunikationsbedürf­nisse sachgerecht zu sein scheint, fallen die ästheti­schen Eigenschaften nicht in diese vor die Lernleichtigkeit etc. zu platzierende Kategorie, son­dern sind als Nebenauf­gaben zu cha­rakterisieren (s.u.).

 

 

Die drei Zamenhofschen Hauptaufgaben: akzeptanzfördernde Eigen­schaften

 

Im Unua Libro legt Zamenhof drei „Hauptaufgaben“ fest, die seine Sprache erfüllen müsse, vgl. Unua Libro, S. 8 (Zamenhof 1887).

Es handelt sich um

I. die leichte Erlernbarkeit, und

II. die sofortige praktische Nutzbarkeit auch ohne vorherige allgemeine Durchsetzung.

III. Die dritte Hauptaufgabe wird von Zamenhof so formuliert: „Ein Mittel zu finden, die Gleichgültigkeit der Welt zu überwinden, und die­selbe zu ermun­tern, sofort und en masse von dieser Sprache, als von einer lebenden Sprache, Gebrauch zu ma­chen.“ Dies bezieht sich nicht ausschließlich auf die Sprache als solche, sondern auf die Politik der Durchsetzung. Dennoch ist diese Hauptaufgabe für uns von Be­deutung: sie weist den im jeweiligen kul­turellen Umfeld propagandistisch wirk­sa­men Eigenschaften der Sprache ein höheres Gewicht zu.

 

Zamenhof stellt fest: „Außer diesen drei Hauptaufgaben gab es noch viele andere zu lösen, über die ich mich hier, da sie unwesentlicher Natur sind, nicht umständ­lich auslassen werde.“ Vgl. Unua Libro, S. 9 (Zamenhof 1887).

 Auch darin liegt wieder eine klare sprachpolitische Ge­wichtung. Alles, was für die genannten Hauptaufgaben unwe­sentlich ist, wird ge­ringer ge­wichtet. Wir könnten solche Aufgaben als Nebenaufgaben bezeichnen. Zu ihnen gehören die übrigen wün­schenswerten Eigenschaften der Sprache wie Kürze, Klangschönheit, guter Eindruck auf außenstehende Beurteiler - z.B. Lingui­sten (ausdrücklich erwähnt in „Esenco kaj Estonteco“, OV III N-ro 2; siehe Anhang I. [Zamenhof 1929]) - d.h. Ge­fälligkeit der Fas­sade, etc.

 

Es ist leicht zu erkennen, dass alle drei Hauptaufga­ben sich nicht linguistischen Überlegungen ver­danken, sondern gleichsam marktstrategischen; sie zielen näm­lich auf die Herstellung eines at­traktiven, konkurrenzfähigen Produkts auf dem Markt der Welt-Zweitsprachen. Dieses Produkt muss sowohl unter Kosten- wie Nut­zen-Gesichtspunkten attraktiv sein. Das Produkt muss nicht „ideal“ sein; es ge­nügt, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis merklich günstiger ist als bei den „Konkurrenzprodukten“, den (nichtgeplanten) internationalen Verkehrsspra­chen.

• Kosten: Die leichte Erlernbarkeit zielt darauf, den „Kaufpreis“, d.h. den Aufwand aus der Sicht des einzel­nen po­tentiellen Benutzers zu minimieren.

• Nutzen: Die sofortige praktische Nutzbarkeit zielt darauf, dem potentiellen Nut­zer einen sofort (und nicht erst in einer ungewissen Zukunft) aktua­lisier­baren Ge­brauchswert zu bieten. (Es hat öko­nomisch keinen Sinn, ein noch so prachtvoll kon­struiertes Telefon zu kaufen, wenn es im Lande we­der ein Telefonnetz noch andere Telefonteilnehmer gibt). Zamenhof musste sein Augenmerk hier natur­gemäß auf diejenigen Elemente des Gebrauchswertes rich­ten, die schon von Anfang an aktualisierbar wa­ren, bevor eine Sprechergemeinschaft exi­stierte. Er konkreti­sierte dies zunächst so, dass ein „Schlüssel“, ein kleines Wörterbuch, das man ei­nem durch­schnittlich gebilde­ten Menschen in die Hand drückt, dem die internatio­nale Sprache völlig fremd ist, aus­reichen solle, um die­sem die Sprache (auch gram­matisch) so zu erschließen, dass man sich ihm ver­ständlich machen kann. Da heute bereits eine Sprechergemeinschaft existiert, gehört al­les, was diese dem potentiellen Benutzer bie­ten kann, inzwi­schen mit in die Rubrik Nut­zen/Gebrauchswert. Das ist nicht nur die Größe der Sprechergemeinschaft, son­dern auch der Umfang der Literatur und die mit der Sprache verbundene Kultur im wei­testen Sinne. Es ist eine bleibende Aufgabe, den Nutzen zu maximieren.

 

Da vor allem das anfängliche Nichtvorhandensein einer Sprechergemeinschaft sich ungünstig auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis und damit auf die „Kaufbereitschaft“ auswirkt, sann Zamenhof auf ein Mittel, diesen Mangel aus­zugleichen. Er glaubte dieses „Mittel zur Überwindung der Gleichgültigkeit“ in ei­ner bedingten „Kaufoption“ gefunden zu haben: Jeder, der die von ihm vorge­schla­gene Sprache gutheißt, wird aufgefordert, ein Versprechen abzuge­ben, die Spra­che dann und in dem Falle zu lernen, dass mindestens 10 Millionen andere Perso­nen diese Bereitschaft ebenfalls bekun­det ha­ben. Im Erfolgsfall sollte dann ein Adressbuch aller Personen erscheinen, die diese Bereitschaft be­kundet hatten.

Vgl. Unua Libro, S. 28 (Zamenhof 1887).

 

Offensichtlich zielte diese Idee auf die Verbesserung des Kosten-Nutzen-Verhält­nisses von der Nutzen-Seite her; d.h. es sollte ein gesicherter Nutzen in Form einer Sprechergemeinschaft von 10 Millionen Personen geboten werden. Und wenn sich erst ein­mal 10 Millionen Menschen an dieses Kommunikationsnetz angeschlos­sen haben, dann, so das Kalkül, ist eine kritische Masse erreicht, die zu ei­ner sozi­al­psychologischen bzw. marktpsycho­logi­schen Kettenreaktion zugunsten des Es­pe­ranto führt.

 

Heute, da es die Sprechergemeinschaft schon gibt, ist ein Teil dieser Hürde schon genommen. Aber die kritische Masse ist wahrscheinlich noch nicht er­reicht. Des­halb bleibt es nach wie vor eine der wichtigsten Aufgaben, die Sprechergemein­schaft zu vergrößern. Sind Zamenhofs Ideen dazu wirklich so un­realistisch oder schon völlig überholt? Ich ver­trete seit vielen Jahren die Auffassung, dass ein um­fängliches Adressbuch ein wichtiges Hilfsmittel wäre, um wenig­stens die vorhan­dene bescheidene Größe der Sprechergemeinschaft opti­mal zu nutzen und damit auch die Attraktivität des Esperanto zu erhöhen. Wünschenswert wäre zumindest ein tele­fonbuchdickes Adressbuch mit zusätzlichen nut­zungserschließenden Hin­weisen.

 

Die modernen weltweiten Computernetze könnten Zamenhofs Ideen zur III. Haupt­aufgabe in einer mo­dernen, aktualisierten Version ungeahnte praktische Bedeu­tung ver­schaffen. Der Autor glaubt, dass sich durch diese technischen Hilfsmittel die Chance we­sentlich vergrößert, bald die kritische Masse für die er­wähnte sozialpsy­chologische Kettenreaktion zu­gunsten des Esperanto zu errei­chen.

 

 

Der Verzicht auf die Maximal-Perfektions-Forderung

 

Man beachte, dass bei Zamenhofs marktstrategischer Planung des Eigen­schaftsprofils seines Produktes die Forderung, die Sprache solle „perfekt“ und „ideal“ sein - was immer man darun­ter konkret ver­stehen mag - überhaupt noch nicht vorgekommen ist. Marktstrategisch genügt es ja, wenn das Produkt at­traktiv und konkurrenzfähig ist, d.h. zu­mindest in einer bestimmten Marktnische und für eine bestimmte Zielgruppe Konkurrenzprodukten merklich überlegen ist. „Merkliche Überlegenheit“ aber ist noch längst nicht „Perfektheit“ (allenfalls in ei­nem relativen Sinne, und in diesem hat auch Zamenhof den Begriff gelegentlich benutzt, vgl. Esenco kaj estonteco, OV III N-ro 2, S. 295 [Zamenhof 1929]).

 

Im Unua Libro schrieb Zamenhof: „Ich bin weit entfernt zu behaupten, dass die von mir projek­tierte Sprache vollkommen sei und dass es nichts besseres geben könne; ich habe jedoch nach besten Kräften gestrebt, allen den Forderungen gerecht zu wer­den, die man an eine internatio­nale Sprache stellen kann, und nachdem es mir gelungen ist, alle von mir gestellten Aufgaben [Hervorhebungen vom Verf. dieses Artikels] zu lösen, habe ich mich entschlos­sen, mit diesem Werke vor die Öffentlichkeit zu tre­ten.“ Vgl. Unua Libro. S. 31 (Zamenhof 1887).

 

Dieser Punkt verdient besonders betont zu werden, weil die Maximal-Perfektions-Forderung (die schon wegen der wünschenswerten Vielzweck-Brauchbarkeit der Sprache und der damit unvermeid­li­chen Zielkonflikte niemals endgültig zur Ruhe kom­men kann) ansonsten traditio­nell das ober­ste Postulat so gut wie aller Plan­sprachprojekte ist. Die Entthronung der Maximal-Perfektions-Forderung und ihre Ersetzung durch ein bedarfsanaly­tisch und „marktstrategisch“ entwickeltes Mindest-Anforderungs­profil für Welt-Zweitsprachen war die eigentli­che Geburtsstunde einer reali­tätsange­pass­ten, evolu­tio­nären Plansprachentechnologie, die „Entwicklung des Esperantismus von der lin­guisti­schen Utopie zur Sozialwissen­schaft“ (man ver­zeihe mir den kleinen Anklang an Engels). Für eine derartige Sprache ge­nügt es, in relevan­ter Hinsicht besser zu sein als andere; sie braucht nicht perfekt zu sein. Hielte man an der Maximal-Perfektions-Forderung fest, dann wäre die Sprache nie fertig, und man müsste die Einführung auf den Sankt-Nimmer­leins-Tag ver­schieben; und hätte man sie dann doch ein­ge­führt, dann wäre ihre Stabilität stets von ver­meint­lichen oder wirklichen Verbesserungen be­droht. Es gibt auch einen unnötigen, praxis­hem­menden Perfektionismus. Gerade wenn man es mit der phil­an­thropi­schen Ziel­setzung als „innerer Idee“ des ganzen Vorhabens ernst meint, ist der Verzicht auf Perfektion zwingend geboten.

 

Um es deutlich zu sagen: Der Verzicht auf die Maximal-Perfektions-Forderung schließt ein, dass man gewisse Mängel der Sprache hinnimmt, wenn die Hauptfor­derungen im großen und gan­zen erfüllt sind und eine hinreichende prakti­sche Brauchbarkeit gewährleistet ist. Esperanto hat gewiss Mängel, wie fast alles auf Er­den - je nach Standpunkt und per­sönlicher Zwecksetzung viele oder wenige, leichte oder schwere.  Die Qualität ei­nes Instruments - ggf. auch Art und Ausmaß seiner Mängel - lässt sich ja, wie bereits gesagt, nicht unabhängig von dem ihm zu­ge­dachten Zweck bewer­ten. (Zum Trost der Perfektionisten: ihr Verbesserungs­drang kann darin ein Ventil finden, dass das Esperanto verschie­dene Mechanismen zu evolutionärer Veränderung im Sinne konsensfähi­ger „Verbesse­rungen“ enthält.)

 

Zamenhof hielt die Mängel des Esperanto für nicht sehr gravierend, und ich teile seine Meinung, weil ich seine Ziele teile - d.h. praktische homfratigo auf Erden, nicht die Erschaffung der „Idealsprache“ des Linguistenhimmels.  Hat man aller­dings andere, vielleicht ehrgeizi­gere Ziele, dann findet man auch andere Mängel, oder man gewichtet sie anders.

 

Eine wichtige Folge des Perfektionsverzichtes ist, dass die Legitimation der Plan­sprache, wenn sie die Mindestbedingungen erfüllt, nicht von wirklichen oder ver­meintlichen Mängeln in Frage gestellt wird. Dadurch wird das Einzigkeitsprinzip zugleich als Prioritätsprinzip wirksam: Die erste praktisch voll gebrauchstaug­li­che Plansprache darf auf diesem kulturellen Neuland ihre Flagge hissen und es rechtmäßig in Besitz nehmen.

 

Interessant sind in diesem Zusammenhang Zamenhofs Ausführungen zum Volapük, das wegen sei­nes Mangels an natürlicher Entwicklungsfähigkeit nicht voll gebrauchstauglich war: „Kiel sur bastono plantita en teron, novaj branchoj kaj folioj ne povis nature kreski sur ghi, sed de­vis esti kon­stante skulpta­taj kaj algluataj. Se ne ekzi­stus tiu eraro, kiun korekti oni bedaurinde ne povis, Vo­lapük neniam pereus kaj ni chiuj nun vershajne parolus vo­lapüke.“ (Hervorhebung vom Verf. die­ses Artikels). Er führt ferner aus: „Ghi pereis ne pro stranga sonado au pro aliaj simi­laj kauzoj, char al chio oni povas alkutimighi, kaj kio hierau shajnis sovagha, tio morgau aperas kiel io tute na­tura kaj bela; per longa kaj mul­tespeca uzado ech la plej sovagha idiomo de la plej bar­bara gento iom post iom farighas richa, eleganta kaj oportuna lingvo.“ S. OV IV N-ro 14 (Parolado al la Sepa Kongreso) (Zamenhof 1929).

 

 

Die prinzipielle Unerfüllbarkeit der Maximal-Perfektions-Forderung

 

Dass die Maximal-Perfektions-Forderung schon prinzipiell unerfüllbar ist, soll kurz anhand von zwei Überlegungen verdeutlicht werden:

 

• Erstens können manche der Forderungen für sich schon nicht perfekt erfüllt wer­den.

Nehmen wir z.B. die Forderung nach leichter Erlernbarkeit. Im Idealfall wäre der erforderliche Lernauf­wand gleich null, d.h. die Erlernung würde über­haupt keine Mühe und Zeit mehr kosten. Das ist aber offen­sichtlich nicht voll er­reichbar. Hier kann und muss man sich damit begnügen, dass der Lernauf­wand zwar nicht gleich null, aber ver­gleichsweise sehr ge­ring ist. Wenn, wie bei­spiels­weise beim Es­pe­ranto, die ganze Formenlehre (die Fundamenta Gramatiko) in vielleicht einer hal­ben Stunde erlern­bar ist, während dies bei ande­ren Sprachen Monate oder Jahre dauert, so ist insoweit ein hinreichen­der Grad der Leichtigkeit er­reicht. Eine For­menlehre, die in nur 20 Minuten er­lernbar wäre, stellte demge­genüber keinen nen­nens­werten Fortschritt mehr dar; sie zu konstruie­ren, wäre der Mühe nicht wert. Als Bezugsgröße sind nicht an­dere Plansprachen, sondern nur Nationalsprachen sinn­voll und reali­stisch, und daran gemessen sind 10 Minuten weiterer Lernersparnis völlig bedeutungs­los. Reali­stisch be­trachtet, wirken deshalb die be­liebten heißen Diskussionen um ge­ringfügige Vor- oder Nach­teile irgendwelcher Plansprachen eher wie ein Hobby streitlustiger Prinzipienreiter, die das Wichtigste vergessen: nämlich dass die Sprache prak­tisch genutzt werden soll.

 

• Zweitens ist zu bedenken, dass einzelne Elemente des Eigenschaftsprofils in ei­nem Spannungsver­hältnis, in einem Widerspruch zueinander stehen können, ins­besondere Forderungen der Lernleichtigkeit einerseits und des Gebrauchswertes nach dem Erlernen an­de­rerseits.

Die im Widerspruch miteinander stehenden Forderungen lassen sich daher nicht voll verwirkli­chen, sondern schränken einander gegenseitig ein. Bis zu welchem Grade eine Forderung gegenüber ei­ner ande­ren zurücktreten muss, bestimmt sich aus dem Verhältnis der Grade der Wichtigkeit der mit­einander kon­kurrierenden Forderungen. Man könnte dies auch so formulieren, dass gewisse be­heb­bar er­scheinende Mängel aus prinzipiellen Gründen un­vermeidlich und ge­ra­dezu er­wünscht seien. Wollte man unbedachter­weise einen derartigen unver­meid­li­chen Mangel beheben, so träte logi­scher­weise ein um so stärkerer vermeid­li­cher Mangel auf der Seite der konkurrie­renden Forderung auf, wodurch per saldo die Sprache verschlechtert wäre.

 

 

Einige Elemente der Lernleichtigkeit

 

Wie der Begriff „leichte Erlernbarkeit“ zu konkreti­sieren ist, ist primär keine Frage an die Linguistik, sondern an Lernökonomie und Lernpsychologie.

 

Zunächst heißt „leichte Erlernbarkeit“ ganz schlicht, dass der Umfang des Lernstoffs möglichst gering sein soll. Das lässt sich weiter dahin konkretisieren, dass die Zahl der zu lernenden Regeln (inklusive Ausnahmeregeln) möglichst gering sein soll, und dass die Zahl der zu lernenden Wörter möglichst ge­ring sein soll. Schon hier - bei der möglichst gerin­gen Zahl der Wörter - stoßen wir auf einen Widerspruch zwi­schen Forderungen der Lernleichtigkeit und des Gebrauchswertes; denn es ist klar, dass der Gebrauchswert um so höher ist, je diffe­ren­zierter man sich ausdrücken kann, d.h. je größer das Vokabular ist. Beide Forderungen müs­sen also zu einem Kompromiss, zu einer praktischen Konkordanz gebracht werden. Das kann u.a. da­durch ge­schehen, dass der Wortschatz zumindest rationa­li­siert wird, d.h. Unnöti­ges und Überflüssiges mög­lichst vermieden wird.

 

Der Begriff des „Unnötigen“ bedarf natürlich selbst wieder der Konkretisierung. Vor allem gilt: Der Wortschatz soll möglichst keine Synonyme enthal­ten. Diese Forde­rung ist freilich nur teilweise er­füllbar, zum einen, weil der Begriff „Synonym“ selbst problematisch ist, zum ande­ren, weil sich hier ein Widerspruch zum aposte­riori-Prinzip er­gibt, s.u.

 

Nebenbei bemerkt: das Verbot des Unnötigen führt zu einer Reihe stilistischer Empfehlungen, darunter der, die Wiederholung gleicher Wörter im Text nicht zu scheuen. Das stilistische Gebot der Abwechslung im Ausdruck darf in der rationali­sierten Sprache keine große Rolle spielen.

 

Ein eleganter Weg zur Auflösung des oben erwähn­ten Widerspruchs besteht darin, die Sprache als „Baukastensystem“ unveränderlicher, frei kombi­nierbarer Ele­mente auszugestalten. Diese Kombinatorik vervielfacht schon bei einer gege­be­nen relativ geringen Zahl von Elementen die Zahl der mögli­chen Wörter so, dass den Forderungen des Gebrauchswertes Genüge getan wird.

 

Ein weiteres Element der Lernleichtigkeit (das eben­falls hilft, den o.a. Widerspruch zu ent­schärfen), ist die Nutzung des Transfers schon gelernter Elemente. Daraus ergibt sich, dass die Sprache a-posteriori-Charakter haben sollte; sie sollte Wörter, die dem Lernwilligen bereits be­kannt sind, nutzen. Auch das verringert den Lern­aufwand.

 

Es gibt nun auf der Welt sehr ver­schiedene Sprachen und Sprachgruppen, an die man aposte­riorisch an­knüpfen könnte. Welche davon soll man wählen? Auch das muss aus der Sicht der Benutzer entschie­den werden und geht nicht ohne Kom­promisse ab. Einstweilen dürfte immer noch, wie schon zu Zamenhofs Zeiten, daran zu denken sein, dass im in­ternationalen Verkehr, als regionale Verkehrsspra­chen, die eu­ropäischen Sprachen domi­nieren und der vorhandene internationale Wortschatz stark durch eu­ropäische Wörter geprägt ist. Daraus ergibt sich, dass der Charakter des Wortschatzes bis auf weiteres indoeuropäisch, genauer gesagt, ro­ma­nisch-germa­nisch sein sollte.

Vgl. LR 51 (Zamenhof 1962), wo Esperanto ausdrücklich als „… sistemo romana-germana“ charakteri­siert wird.

Durch diese Konkretisierung wiederum sind die Weichen ge­stellt, auch sonstige Details der Sprache vorerst aus der Schnittmenge der romanisch-germanischen Sprachen zu entnehmen. Auch die traditio­nelle Ei­genheit der eu­ropäischen Spra­chen, neuzuprä­gende wis­senschaftlich-techni­sche Begriffe aus dem Steinbruch der lateinischen und griechi­schen Sprache zu besor­gen, findet so aposteriorisch in die Plansprache Eingang.

Vgl. z.B. PV 11-30 (Zamenhof 1981): „Por chiuj natursciencaj nomoj mi konsilas preni la nomojn lati­najn en Esperanta trans­skribo. Se en la UV trovighas nomoj de bestoj kun formo ne latina, la fakto venas de tio, ke en la unuaj jaroj mi ne havis ankorau la principon pri la ne­ceseco doni al tiuj nomoj for­mon latinan; sed nun mi ordinare gvidas min per tiu principo.- Tio sama estas ankau kun la diversaj fi­nighoj, kiujn mi en la unua tempo shanghadis pro ilia simileco kun Esperantaj sufiksoj, sed ki­ujn mi nun ordi­nare ne shanghas; sekve mi konsilas uzi -ilo, -ino, -ulo k.t.p.“

 

All dies hat Zamenhof ausweislich seiner Schriften bereits bedacht; die lateinische Sprache be­zeichnete er übrigens als „duoninternacia“. Auf die Dauer wird viel­leicht die Dominanz der in­doeuropäi­schen Sprachen geringer werden, doch das ist ein Zukunftsproblem.

 

Mit diesen Betrachtungen zur Lernleichtigkeit mag es fürs erste sein Bewenden haben. Je weiter man nämlich konkretisiert, desto weiter kommt man in den Bereich des freien Ermessens hin­ein, das sich immer weniger von den obersten Prinzipien her be­grenzen lässt. D.h. man gelangt unvermeidlich und mit einer die kritische Wachsamkeit einlullenden Unmerklichkeit in den Bereich reiner Willkür und Belie­bigkeit.

 

Hier sind die Grenzen rationaler Begründung in der Sprachplanung. Manch erbit­terter Streit unter Sprachplanern beruht darauf, dass sie diese Grenzen nicht be­merken und noch für logisch zwingende Konsequenzen oberster Prinzipien halten, was längst nur noch freies Ermessen ist. Abstrakt ge­sagt: sie übersehen den Unter­schied zwischen Deduktion und Konkretisierung.

Es wäre zu untersuchen, ob nicht auch Valter Tauli in seinem verdienstlichen Werk zur Sprachplanung (Tauli 1968) dieser Gefahr hie und da erlegen ist.

 

 

Einige Elemente der (sofortigen) Nutzbarkeit auch im Verkehr mit Nichtkennern (II. Hauptaufgabe)

 

In diese sofortige Nutzbarkeit gehen einige Elemente ein, die schon zur Lernleich­tigkeit gehö­ren; das könnte deren Gewicht evtl. erhöhen. Nach Zamenhofs Vorstel­lung wird in der ersten Phase, in der nur wenige die Sprache kennen, die sofortige praktische Nutzbarkeit folgender­maßen er­reicht:

• Die Sprache muss gänzlich aus einem kleinen Wörterbuch, einem „Schlüssel“, er­schließbar sein, so dass man sich einen durchschnittlich gebildeten Nichtkenner der Sprache sofort ver­ständlich machen kann, indem man ihm dieses Wörterbuch zur Verfügung stellt. Deshalb muss alles, auch die grammatikalischen Formen, in unveränderli­che lexikalische Elemente, in „Wörter“, aufgeglie­dert werden. (Diese Elemente müssen für den Nichtkenner der Sprache auch bei Zusammen­schrei­bung erkennbar bleiben, andernfalls bliebe ihm auch mit dem „Schlüssel“-Wörter­buch vieles ver­schlossen. Diese Forderung kon­kretisiert Zamenhof durch die hoch­gestellten Striche.) Hier taucht also erneut, und mit einer et­was anderen Be­grün­dung, das „Baukastenprinzip“ auf.

• Ferner muss der Wortschatz möglichst aus solchen Wörtern bestehen, die allen durchschnitt­lich Gebildeten bekannt sind. Auch diesem Prinzip, dem Aposteriori-Prinzip, sind wir bereits begegnet.

 

 


Literatur

 


FRANK, H. (1979). Auf welche Fragen hat eine europäische Sprachpolitik Antwort zu geben? In: Europäische Akademie Otzenhausen e.V. (Hrsg.): Muss Europa an der Sprachenvielfalt scheitern? Referate des Kolloquiums zur europäischen Sprachpolitik vom 14.-16.9.1979, Otzenhausen 1979, 9-22

FRANK, H. (1985). Zur kybernetischen Rechtfertigung einer axiomatischen Interlin­guistik. GrKG/Humankybernetik 26, Nr. 2/1985, S. 75

SHULCO (SCHULZ), R. (1985): Pledo por unueca lingvo. Paderborn: Espe­ranto-Centro

TAULI, V. (1968). Introduction to a Theory of Language Planning. Upp­sala: Acta Universitatis Upsaliensis.

WEINBERGER, C. & WEINBERGER, O. (1979). Logik, Semantik, Herme­neutik. München: Beck.

WELGER, H. (1981). Pri la dezirendaj (!) neper­fektajhoj de planlingvo. Natu­rista Vivo n-ro 6/7, 27 - 30

WELGER, H. (1994). Kontribuoj al la norma espe­ran­tologio. Marburg: Info-Servo.

ZAMENHOF, L. (1887). Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehr­buch [por German'oj]. Warschau: Gebethner & Wolff.

ZAMENHOF, L. (1929). Originala Ver­karo. Leipzig: Hirt & Sohn, 1929

ZAMENHOF, L. (1962). Lingvaj Re­spondoj. Konsiloj kaj opi­nioj pri Espe­ranto. 6-a eldono. Marmande: Espe­rantaj Francaj Eldonoj.

ZAMENHOF, L. (1963). Fundamento de Esperanto. 9-a eldono. Marmande: Espe­rantaj Francaj Eldonoj.

ZAMENHOF, L. (1981). Mortinta, sed senmorta! Iam kompletigota plena verkaro de L.L. Zamenhof, kajero 9. Tokio: Eldonejo Ludovikito.

 

© Helmut Welger, Marburg 1999


 

 

 


Anhang I

Zamenhof: „Esenco kaj Estonteco de la Ideo de Lingvo Internacia“

(Auszug, s. OV III N-ro 2, S. 305f. [Zamenhof 1929])

 


Dum Esperanto bonege kontentigas chiujn postu­lojn, kiuj povas esti farataj al lingvo internacia (eksterordinara fa­cileco, precizeco, richeco, natureco, vi­vipoveco, fleksebleco, sonoreco k.t.p.), chiu el tiuj projektoj penas plibo­nigi unu ian flankon de la lingvo, oferante por tio chi kontrauvole chiujn aliajn flankojn. Tiel ekzemple multaj el la plej novaj pro­jektistoj uzas la sekvantan ruzajhon: sci­ante, ke la pu­bliko taksas chiun projekton konforme al tio, kiel al ghi ri­latos la instrui­taj lingvistoj, ili zorgas ne pri tio, ke ilia projekto estu efektive tauga por io en la prak­tiko, sed nur pri tio, ke ghi en la unua mi­nuto faru bonan impreson sur la lingvistojn; por tio ili prenas siajn vortojn preskau tute sen ia shangho el la plej gravaj jam ekzistantaj lingvoj naturaj. Ricevinte frazon skribitan en tia pro­jektita lingvo, la lingvistoj rimar­kas, ke ili per la unua fojo kom­prenis tiun chi frazon multe pli fa­cile ol en Esperanto - kaj la projekti­stoj jam tri­umfas kaj anoncas, ke ilia „lingvo“ (se ili iam fi­nos ghin) estos pli bona ol Esperanto. Sed chiu prudenta homo tuj konvinkighas, ke tio chi estas nur iluzio, ke al la malgrava principo, elmetita pro montro kaj al­logo, tie chi estas oferi­taj la princi­poj plej gravaj (kiel ek­zemple la facileco de la lingvo por la nekle­ruloj, flek­sebleco, richeco, pre­ci­zeco k.t.p.), kaj ke, se simila lingvo ech po­vus esti iam finita, ghi en la fino nenion donus! Char se la plej grava merito de la lingvo internacia konsi­stus en tio, ke ghi kiel eble plej facile estu tuj komprenata de la instruitaj lingvistoj, ni ja por tio chi povus sim­ple preni ian lingvon, ekzemple la la­tinan, tute sen iaj shanghoj, - kaj la instruitaj lingvistoj ghin ankorau pli fa­cile komprenos per la unua fojo! La principo de kiel eble plej malgranda shanghado de la naturaj vortoj ne sole estis bone konata al la autoro de la lingvo Esperanto, sed ghuste de li la novaj projekti­stoj ja prenis tiun chi prin­cipon: sed dum Esperanto prudente kontentigas tiun chi principon lau me­zuro de ebleco, penante plej zorge, ke ghi ne kon­trauagadu al aliaj pli gravaj principoj de lingvo internacia, la pro­jektistoj turnas la tutan atenton nur sur tiun chi principon, kaj chion alian, ne­kompa­reble pli gravan, ili for­donas kiel ofe­ron, char ku­nigi kaj kon­sentigi inter si di­ver­sajn principojn ili ne povas kaj ech ne havas deziron, char ili mem ne espe­ras doni ion pretan kaj taugan, sed ili volas nur fari efekton.



Anhang II - Zusammenfassung:

Das nach dem Grad der Wichtigkeit geordnete Soll-Profil des Espe­ranto

 

Das im obigen Text Ausgeführte wird in der folgenden Tabelle zusammengefasst. Es wird nochmals betont, dass diese Gewichtungen nicht ein Ergebnis linguisti­scher Forschung sind, sondern die Folge einer Zamenhof­schen und von den Espe­rantisten gutgeheißenen Entscheidung, näm­lich einer sprachpolitischen und phil­anthropi­schen Zwecksetzung, nebst einigen zumeist schon von Zamenhof selbst vorgenommenen Konkretisierungen. Der Zweck des Esperanto ist unter dem Na­men „interna ideo“ bekannt und hat in ent­scheidenden Teilen durch §2 der Bulonja Deklaracio normative Geltung für alle Esperantisten erlangt.- Das Soll-Profil ist von aktueller Bedeu­tung, weil es die Weiterentwicklung von Wortschatz und Stil be­stimmen sollte. Bei Zielkonflikten be­stimmt die Gewichtung, welche Eigenschaft - auch im Kompromiss - stärkere Berücksichtigung verdient.

 

 

A. Einzigkeitsprinzip

 

1. Aktuelle Einheitlichkeit (fordert strikte Regeltreue von den Benutzern)

2. Stabilität (fordert strikten Sprach-Konservatismus), keine Änderungen, nur Ergänzungen

 

 

B. Kommunikationstauglichkeit in der Wissenschaft, im Handel und im allgemeinen Verkehr

 

3. Klarheit (schließt ein, dass es mög­lichst wenige Homonyme geben sollte)

4. Genauigkeit

5. Reichtum des Wortschatzes

6. Geschmeidigkeit (Flexibilität)

 

 

C. Akzeptanzförderung:

 

 

I. Hauptaufgabe: Leichte Erlernbarkeit (allgemein: Kostenminimierung)

 

7. Sparsamkeit des Regelwerkes (inkl. wenige Aus­nahmeregeln, orthographi­sche Einfachheit, einfa­cher „Stil“)

8. Sparsamkeit im Wortschatz (Baukastensy-stem/Kombinatorik, mög­lichst wenige Synonyme)

9. Aposteriorität, „Internationalität“ (v.a. im Wort­schatz):

• überwiegend romanisch-germanischer Wortschatz, solange und soweit der in­ternationale Wortschatz durch diese Sprachen geprägt ist

• Latein und Griechisch als „Steinbruch“ für Fachwör­ter (neuerdings vielleicht auch Englisch)

 

 

II. Hauptaufgabe: Sofortige Benutzbar­keit auch im Verkehr mit durchschnittlich gebildeten Nicht-Kennern

(allgemein: Nutzenmaximierung)

 

10. Leichte Erschließbarkeit allein durch ein kleines Wörterbuch, einen „Schlüssel“, dazu:

• „Baukastensystem“, in das auch die gram­matischen Elemente als Wörter eingeordnet sind

• Aposteriorität, „Internationalität“

(Schon auf Rangplatz 8 und 9 berück­sich­tigt)

 

 

III. Hauptaufgabe: Überwindung der Gleichgültigkeit der Welt

 

(Dies sagt nichts über die Spracheigen­schaf­ten aus, wohl aber über die Not­wendigkeit ei­ner esperan­tisti­schen Sprachpolitik)

 

 

D. Nebenaufgaben

 

11. Kürze, Klangschönheit, emotionale Lebendigkeit, guter Eindruck auf außenste­hende Beurteiler (Gefälligkeit der Fassade), etc.

 

© Helmut Welger, Marburg 1997