Ludoviko Lazaro ZAMENHOF,
bekannt als Schöpfer - besser gesagt: Initiator - des Esperanto, ist zugleich
Initiator einer kosmopolitisch-humanistischen Bewegung mit spiritueller Komponente,
des Homaranismo. Dieser Homaranismo, um dessen gedankliche Klärung und
Entwicklung ZAMENHOF zeitlebens rang, ist der eigentliche Impuls hinter der
Schaffung des Esperanto, ZAMENHOFS eigentliches Anliegen, für das ihm das
Esperanto nur ein Werkzeug war. Er beschrieb die Grundidee des Homaranismo so: „Eine
internationale Sprache hat den Zweck, zwischen den Völkern eine neutrale Brücke
in sprachlicher Beziehung zu schaffen, der Homaranismo will eine solche
Brücke in jeder Beziehung schaffen.“
Dieser Grundidee entsprechend ist das Ziel des Homaranismo in heutiger
Formulierung die geistig-politische Einheit der Menschheit in Vielfalt; Völker
und Religionen sollen nicht zu einer Einheitskultur gleichgeschaltet werden,
sondern die verschiedenen historisch gewachsenen und in weiterer Veränderung
begriffenen Kulturen sollen zu einem gleichsam „föderativen“ Gesamtsystem,
einer friedlichen Weltordnung, verbunden werden. Der Homaranismo will helfen,
dafür die intellektuellen, spirituellen und emotionellen Voraussetzungen zu
schaffen. So viele Voraussetzungen es dafür gibt, so viele Seiten kann der
Homaranismo haben:
· Er ist in gewissem Sinne eine politische Bewegung für Weltorganisationen wie die UNO sowie für die Menschenrechte;
· er hat Anteil an der Plansprachenbewegung des Esperanto;
· er ist eine humanistische Morallehre, die den Gedanken einer der Sprachplanung analogen „Moralplanung“ mitumfasst;
· er hat eine psychohygienische Komponente und zielt auf eine Lebensgestaltung im harmonischen Einklang und Einverständnis mit der biologischen Natur des Menschen und nicht, wie so viele Morallehren, im Kampf gegen sie;
· er hat eine ökologische Seite, denn die „Familie Menschheit“ ist für ihn nur ein Teil der „Großfamilie des Lebens“, auf deren Belange sie bei Strafe des Untergangs Rücksicht nehmen muss;
·
er wirkt daran mit, eine Wissenschaft und eine
Technologie zur intellektuellen und emotionalen Versöhnung und zur Integration
aller Menschen zu entwickeln und zu verbreiten.
Die eben aufgezählten Eigenschaften könnte man
unter dem Begriff „kosmopolitischer Humanismus“ zusammenfassen.
Daneben hatte ZAMENHOF dem Homaranismo auch eine spirituelle
Komponente zugedacht. Diese sollte die Menschen verschiedener Religionen
und Weltanschauungen zu geistigem Austausch und gemeinsamen spirituellen Feiern
zusammenführen, ohne sie auf bestimmte religiöse Glaubensinhalte zu
verpflichten. Die Feiern sollten interreligiös-ökumenisch sein - symbolischer
Ausdruck und psychologisch wirkungsvolle gemeinsame Bekräftigung der Toleranz
und weiterer ethischer Grundwerte.
Diese spirituelle Komponente war und ist, auch unter Anhängern des Homaranismo,
umstritten. Es steht aber jedem Anhänger des Homaranismo frei, ob er sie sich
zu eigen machen will oder nicht.
Der Info-Servo in Marburg fungiert als weltweites Informationszentrum und ist
weltweit unter den Esperantisten bekannt.
Nähere Informationen zum Homaranismo - auch auf Deutsch - bei:
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