Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten

 

 Den Vereinten Nationen und der Weltöffentlichkeit zur Diskussion

vorge­legt vom Interaktion Council

 

(Mitglieder des Interaktion Council: Helmut Schmidt, Malcom Fraser, Andries A.M van Agt, Anand Panyarachun, Oscar Arias Sanchez, Lord Callaghan of Cardiff, Jimmy Carter, Miguel de la Madrid Hurtado, Kurt Furgler, Valéry Giscard d'Estaing, Felipe Gonzalez, Salim al-Hoss, Kenneth Kaunda, Lee Kuan Yew, Kiichi Miyazawa, Misael Pastrana Borrero, Schimon Peres, Maria de Lourdes Pintassilgo, José Sarney, Shin Hyon Hwak, Kalevi Sorsa, Pierre Elliott Trudeau, Ola Ullsten, Georgios Vassiliou, Franz Vranitzky)

 

 

Präambel

Da die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden wurde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt ist und Pflichten oder Verantwortlichkeiten (responsibilities) einschließt,

da das exklusive Bestehen auf Rechten Konflikt, Spaltung und endlosen Streit zur Folge haben und die Vernachlässigung der Menschenpflichten zu Gesetzlosigkeit und Chaos führen kann,

da die Herrschaft des Rechts und die Förderung der Menschenrechte abhängen von der Bereitschaft von Männern wie Frauen, gerecht zu han­deln,

da globale Probleme globale Lösungen verlan­gen, was nur erreicht werden kann durch von al­len Kulturen und Gesellschaften beachtete Ideen, Werte und Normen,

da alle Menschen nach bestem Wissen und Vermögen eine Verantwortung haben, sowohl vor Ort als auch global eine bessere Gesellschaftsordnung zu fördern - ein Ziel, das mit Gesetzen, Vorschriften und Konventionen allein nicht erreicht werden kann, da menschliche Bestrebungen für Fortschritt und Verbesserung nur verwirklicht werden können durch übereinstimmende Werte und Maßstäbe, die jederzeit für alle Menschen und Institutionen gelten,

 

deshalb verkündet

die Generalversammlung der Vereinten Nationen

 

diese allgemeine Erklärung der Menschenpflich­ten. Sie soll ein gemeinsamer Maßstab sein für alle Völker und Nationen, mit dem Ziel, dass je­des Individuum und jede gesell­schaftliche Einrichtung, dieser Erklärung stets eingedenk, zum Fortschritt der Gemeinschaften und und zur Aufklärung all ihrer Mitglieder bei­tragen mögen. Wir, die Völker der Erde, erneuern und verstärken hier­mit die schon durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte pro­klamierten Verpflichtungen: die volle Akzeptanz der wurde aller Menschen, ihrer unveräußerlichen Freiheit und Gleichheit und ihrer Solidarität untereinander. Bewusstsein und Akzeptanz dieser Pflichten sollen in der ganzen Welt gelehrt und gefördert werden.

 

 

Fundamentale Prinzipien für Humanität

 

Art. 1 Jede Person, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischen Herkunft, wel­chen sozialen Status, welcher politischen Überzeugung, welcher Sprache, welchen Alters, welcher Nationalität oder Religion, hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.

 

Art. 2 Keine Person soll unmenschliches Verhalten, welcher Art auch immer, unterstützen, vielmehr haben alle Menschen die Pflicht, sich für die wurde und die Selbstachtung aller anderen Menschen einzusetzen.

 

Art. 3 Keine Person, keine Gruppe oder Organisation, kein Staat, keine Armee oder Polizei steht jenseits von Gut und Böse; sie alle unterstehen moralischen Maßstäben. Jeder Mensch hat die Pflicht, unter allen Umständen Gutes zu fördern und Böses zu meiden.

 

Art. 4 Alle Menschen, begabt mit Vernunft und Gewissen, müssen im Geist der Solidarität Verantwortung übernehmen gegenüber jeden und allen, Familien und Gemeinschaften, Rassen, Nationen und Religionen: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu.

 

 

Gewaltlosigkeit und Achtung vor dem Leben

 

Art. 5 Jede Person hat die Pflicht, Leben zu ach­ten. Niemand hat das Recht, eine andere menschliche Person zu verletzen, zu foltern oder zu töten. Dies schlieft das Recht auf gerechtfer­tigte Selbstverteidigung von Individuen und Gemeinschaften nicht aus.

 

Art. 6 Streitigkeiten zwischen Staaten, Gruppen oder Individuen sollen ohne Gewalt ausgetragen werden. Keine Regierung darf Akte des Völkermords oder des Terrorismus tolerieren oder sich daran beteiligen, noch darf sie Frauen, Kinder oder irgendwelche anderen zivi­len Personen als Mittel zur Kriegführung missbrauchen. Jeder Bürger und öffentliche Verantwortungsträger hat die Pflicht, auf friedli­che, gewaltfreie Weise zu han­deln.

 

Art. 7 Jede Person ist unendlich kostbar und muss un­bedingt geschützt werden. Schutz verlan­gen auch die Tiere und die natürliche Umwelt. Alle Menschen haben die Pflicht, Luft, Wasser und Boden um der gegenwärtigen Bewohner und der zukünftigen Generationen willen zu schützen.

 

 

Gerechtigkeit und Solidarität

 

Art. 8 Jede Person hat die Pflicht, sich inte­ger, ehrlich und fair zu verhalten. Keine Person oder Gruppe soll irgendeine andere Person oder Gruppe ihres Besitzes berauben oder ihn willkürlich wegnehmen.

 

Art. 9 Alle Menschen, denen die notwendigen Mittel gegeben sind, haben die Pflicht, ernst­hafte Anstrengungen zu unternehmen, um Armut, Unterernährung, Unwissenheit und Ungleichheit zu überwinden. Sie sollen überall auf der Welt eine nach­haltige Entwicklung fördern, um für alle Menschen Würde, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.

 

Art. 10 Alle Menschen haben die Pflicht, ihre Fähigkeiten durch Fleiß und Anstrengung zu entwickeln; sie sollen gleichen Zugang zu Ausbildung und sinnvoller Arbeit haben. Jeder soll den Bedürftigen, Benachteiligten, Behinderten und den Opfern von Diskriminierung Unterstützung zukommen las­sen.

 

Art. 11 Alles Eigentum und aller Reichtum missen in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und zum Fortschritt der Menschheit verantwortungsbewusst verwendet werden. Wirtschaftliche und politische Macht darf nicht als Mittel zur Herrschaft eingesetzt werden, sondern im Dienst wirtschaftlicher Gerechtigkeit und sozialer Ordnung.

 

 

Wahrhaftigkeit und Toleranz

 

Art. 12 Jeder Mensch hat die Pflicht, wahr­haftig zu reden und zu handeln. Niemand, wie hoch oder mächtig auch immer, darf lügen. Das Recht auf Privatsphäre und auf persönliche oder berufliche Vertraulichkeit muss respektiert werden. Niemand ist verpflichtet, die volle Wahrheit jedem zu jeder Zeit zu sagen.

 

Art. 13 Keine Politiker, Beamten, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Künstler sind von allgemeinen ethischen Maßstäben entbunden, noch sind es Ärzte, Juristen und andere Berufe, die Klienten gegenüber besondere Pflichten haben. Berufsspezifi­sche oder andersartige Ethikkodizes sol­len den Vorrang allgemeiner Maßstäbe wie etwa Wahrhaftigkeit und Fairness widerspiegeln.

 

Art. 14 Die Freiheit der Medien, die …Öffentlichkeit zu informieren und gesellschaftli­che Einrichtungen wie Regierungsmaßnahmen zu kritisieren - was für eine ge­rechte Gesellschaft wesentlich ist -, muss mit Verantwortung und Umsicht gebraucht werden. Die Freiheit der Medien bringt eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich. Sensationsberichte, welche die menschliche Person oder die Würde erniedrigen, missen stets vermieden werden.

 

Art. 15 Während Religionsfreiheit garantiert sein muss, haben die Repräsentanten der Religionen eine besondere Pflicht, Äußerungen von Vorurteilen und diskriminierende Handlungen gegenüber Andersgläubigen zu ver­meiden. Sie sollen Hass, Fanatismus oder Glaubenskriege weder anstiften noch legitimie­ren, vielmehr sollen sie Toleranz und gegen­sei­tige Achtung unter allen Menschen fördern.

 

 

Gegenseitige Achtung und Partnerschaft

 

Art. 16 Alle Männer und Frauen haben die Pflicht, einander Achtung und Verständnis in ih­rer Partnerschaft zu zeigen. Niemand soll eine andere Person sexueller Ausbeutung oder Abhängigkeit unter­werfen. Vielmehr sollen Geschlechtspartner die Verantwortung für die Sorge um das Wohlerge­hen des anderen wahrnehmen.

 

Art. 17 Die Ehe erfordert - bei allen kulturel­len und religiösen Verschiedenheiten - Liebe, Treue und Vergebung und sie soll zum Ziel ha­ben, Sicherheit und gegenseitige Unterstützung zu garantieren.

 

Art. 18 Vernünftige Familienplanung ist die Verantwortung eines jeden Paares. Die Beziehung zwi­schen Eltern und Kindern soll ge­genseitige Liebe, Achtung, Wertschätzung und Sorge widerspiegeln. Weder Eltern noch andere Erwachsene sollen Kinder ausbeuten, missbrauchen oder misshandeln.

 

 

Schluss

 

Art. 19 Keine Bestimmung dieser Erklärung darf so ausgelegt werden, dass sich daraus für den Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht ergibt, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung vorzunehmen, welche auf die Vernichtung der in dieser Erklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 angeführten Pflichten, Rechte und Freiheiten ab­zielen.

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