„Dogma 11“ der Deklaracio de Homarano (Zamenhof 1906)
Wenn in meiner Stadt ein homaranistischer Tempel gegründet wurde, muss ich ihn so oft wie möglich besuchen, um dort brüderlich mit Homaranoj anderer Religionen zusammenzutreffen, mit ihnen neutral menschliche Sitten und Feste auszuarbeiten und auf diese Weise bei der allmählichen Ausbildung einer philosophisch reinen, aber gleichzeitig schonen, poetischen und warmen lebensregulierenden allgemein-menschlichen Religion mitzuwirken, welche Eltern ohne Heuchelei an ihre Kinder weitergeben können.
Im homaranistischen Tempel werde ich die Werke der großen Lehrer der Menschheit über das Leben und den Tod und über die Beziehung unseres "Ichs" zum Universum und zur Ewigkeit hören, philosophisch-ethische Unterredungen, erhebende und veredelnde Hymnen usw.
Dieser Tempel muss
· die jungen Menschen zu Kämpfern für das Wahre, Gute, für Gerechtigkeit und allmenschliche Brüderlichkeit erziehen, in ihnen Liebe zu ehrlicher Arbeit und Abscheu gegen leeres Gerede (frazisteco) und unedle Laster ausbilden;
dieser Tempel muss
· den Alten geistige Erholung geben,
· den Leidenden Trost,
· die Möglichkeit, sein Gewissen zu erleichtern denen, bei welchen es durch irgend etwas beschwert ist,
· usw.
Solange in meiner Stadt kein homaranistischer Tempel besteht, muss ich so oft wie möglich zu gemeinschaftlichen Unterredungen mit anderen Homaranoj meiner Stadt zusammentreffen, und wenn es solche nicht gibt, muss ich brieflich mit Homaranoj anderer Städte kommunizieren.
Originalanmerkung von
Zamenhof: bezüglich des Dogmas 11, das neben dem vereinsmäßigen auch einen theosophischen
Charakter hat, muss man sich erinnern, dass es nur von solchen Lehren spricht,
die nicht der Wissenschaft widersprechen, und dass es sich nur auf den Tempel
der Homaranoj bezieht, aber keinesfalls auf die privaten Gruppen
(rondetoj) der Homaranoj. Diese Gruppen haben keinen religiösen Charakter,
sondern einen rein geselligen und dienen freien freundschaftlichen Unterredungen
über alle möglichen Themen, entsprechend den Wünschen der Teilnehmer,
und von anderen Gruppen unterscheiden sie sich nur dadurch, dass an ihnen
Menschen teilnehmen, die neutral-menschliche religiöse und nationale
Prinzipien haben, und dass die Gespräche in ihnen vorzugsweise in der
neutral-menschlichen Sprache geführt werden.